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Wer dreht sich schon nach einem Golf um? Viele, zumindest wenn der einen Kofferraum am Heck trägt
und dann auf den Namen Jetta hört. Trotzdem wird wohl auch der nicht an die
Verkaufszahlen des Golf heran kommen, denn dieser verkauft sich wie warme Brötchen.
Klar, das liegt einfach daran, dass hierzulande die Stufenheck-Versionen nicht
so beliebt sind wie die sicher praktischeren Schrägheck-Modelle. Und oft
sehen sie auch bei weitem nicht so gut aus, doch das ist beim Jetta eigentlich
ganz anders. Nicht nur der angesetzte Kofferraum macht eine gute Figur, auch die
Front ist hier kantiger, sportlicher und lässt das Fahrzeug größer,
erwachsener erscheinen. Was wir sonst noch so herausgefunden haben, lesen Sie in
unserem Test.
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Karosserie Der
Jetta ist der Golf mit Kofferraum hinten dran, und der läuft seit jeher bei
uns dem Erfolg seines Schwestermodells hinterher. Eigentlich völlig unverständlich,
denn vor allem was die Optik angeht, braucht sich das Stufenheck-Modell wahrlich
nicht zu verstecken.
In der neuen Familienoptik
gehalten, unterscheidet er sich zwar nur wenig, aber entscheidend vom Golf. Wo
der mit rundlicheren Formen eher kompakt wirkt, könnte man den Jetta fast
schon für einen Passat halten. Die kantigeren Scheinwerfer - ähnlich
dem Polo - stehen dem Wagen sehr gut zu Gesicht und auch die modifizierte
Frontschürze mit der kantigen Lippe sorgen nicht nur für einen
sportlich-dynamischen Auftritt, sondern lassen den Wagen breit auf dem Asphalt
stehen.
Die langgestreckte Silhouette
mit der sanft geschwungenen Dachlinie steht dem Jetta sehr gut und läuft in
einem kraftvollen und harmonisch angesetzten Heck aus, dass nicht nur mit den
schön geformten Rückleuchten zu gefallen weis. Der angedeutete
Diffusor an der weit nach unten gezogenen Heckschürze sorgt auch hier für
Sportlichkeit. Eigentlich wäre der Jetta die ideale Basis für das Golf
Cabriolet.
Dass die gesamte Karosserie
sehr gut verarbeitet wurde und mit exakten, engen Spaltmaßen glänzen
kann, braucht man fast nicht mehr zu erwähnen, dass teils spezielle
Dichtungen an den Türen die Spalten praktisch bündig abschließen
schon, das macht sich nicht nur beim Verbrauch sondern auch bei den Windgeräuschen
und der Verschmutzung der Einstiege positiv bemerkbar. |
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Innenraum/Kofferraum Im
Innenraum hören dann die Unterschiede zum Golf praktisch gänzlich auf,
und so verkneift sich auch der Jetta weitestgehend frische Applikationen, Einsätze
oder ähnliches. So kommt dann das Cockpit in ziemlichem
Einheitsgrau-Schwarz daher, das nur durch zarte Chromränder aufzulockern
versucht. Die Verarbeitung der angreiffreundlichen und teils angenehm weichen
Materialien ist wie gewohnt hochwertig und wie die Platzierung und Bedienbarkeit
der Hebel und Schalter nahezu tadellos.
Der Einstieg gelingt vorne wie
hinten sehr bequem und schon nehmen wir auf gut ausgeformten, straff
gepolsterten und groß dimensionierte Sitzen in Reihe eins Platz, die sehr
gute elektrische Sitzverstellung arbeitet bestens und die Sitzheizung ist
ausgesprochen schnell. Die Frage nach ausreichend Platz stellt sich vorne nicht,
und auch in Reihe zwei sitzen 1,80 m große Mitfahrer hinter einem ebenso
großen Fahrer noch sehr bequem, die beiden Außensitze sind gut
ausgeformt und gepolstert, der Mittelsitz ist allenfalls eine Notlösung.
Viel größer sollte
man aber als Fondpassagier nicht sein, denn mit 1,80 m stößt man
gerade so nicht am Dach an, die Kopfstützen reichen für diese Größe
aber auch aus. Die Seitenfenster fahren hinten leider nicht ganz nach unten.
Also wieder nach vorne und neben dem guten Seitenhalt erfreut einmal mehr das
kleine griffige Lederlenkrad mit guter Ausformung und zweifacher Verstellmöglichkeit.
Und auch der Regensensor
(Extra) kann mit seiner Arbeit und der ganz individuellen
Empfindlichkeitseinstellung gut überzeugen, wie das rein intuitiv über
Touchscreen zu bedienende Radio und Navigationssystem. Daran, dass der
Start-Stopp-Knopf links vom Lenkrad positioniert ist, muss man sich erst gewöhnen,
daran, dass sich der Durchschnittsverbrauch beim Neustart immer wieder selbst "genullt"
hat, haben wir uns nicht gewöhnen können.
Mit einem angenehm dezenten "Nicht-Angeschnallt-Bimmeln",
dass erst bei Nichtbeachten fordernder wird, hat sich der Jetta gleich in unsere
Ohren geschmeichelt, der angenehm kernig-dezente Motorsound übrigens auch,
da ist man gleich wieder versucht, dem Jetta das etwas sachliche Cockpitdesign
nachzusehen, das rote Dimmerlicht ist immerhin schon mal ein Anfang, der Rest
ist selbstverständlich bestens beleuchtet.
Wir wollen jetzt nicht
kleinlich sein, aber das Fach unter dem Beifahrersitz ist wirklich nur für
kleine Kleinigkeiten, ansonsten sind aber genügend Fächer und Getränkehalter
vorhanden. Außerdem ein optisches und akustisches Einparksystem - prima,
zumal die hinteren Dachsäulen ziemlich breit ausfallen und auch das Heck
recht hoch geraten ist. Damit das Auto aber auch beim Vorwärts einparken "vorausschaut",
muss es erst mal durch das Einlegen des Rückwärtsganges "aktiviert"
werden.
Wie schon erwähnt, liegt
der Hauptunterschied im Kofferraum, der zumindest optisch schick ans Heck
angesetzt wurde. Und ausgerechnet hier sammelt der Golf-Bruder Minuspunkte,
obwohl es erst mal gut los geht, denn betätigt man die Fernentriegelung,
z.B. vom Fahrersitz aus, schwingt der Kofferraumdeckel von allein nach oben. Und
während die Ladekante gut gegen Ladekratzer geschützt ist, bleibt die
Stoßstange völlig ungeschützt. Anschließend geht es dann
rund 20 cm tief nach unten.
Kann das Stauvolumen mit seinen
510 Litern im Normalzustand noch voll punkten, gibt es für die recht kleine
Ladeöffnung, durch die ein Einkaufskorb gerade so passt, schon wieder
Abstriche. Links und rechts im Kofferraum sind zusätzliche Fächer
eingebaut, der Rest ist glattflächig und sehr tief, kleinere Gegenstände,
die hier nach vorne rutschen, sind nur schwer wieder zu erreichen.
Und dann kann man ja auch noch
die Rücksitzlehnen vorklappen und so die Ladekapazität erhöhen,
dann bleibt aber eine Stufe im noch dazu ansteigenden Ladeboden, und auch die
nutzbare Durchladeöffnung ist ziemlich eingeschränkt. Erst wenn man
vorher die Sitzbank hochklappt, lässt sich das volle Ladevolumen nutzen. Störend
wirkt sich auch aus, dass die Scharniere des Kofferraumdeckel in den Stauraum
und somit ggf. aufs Gepäck drücken. |
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Komfort/Fahrwerk/Bremsen Im
nun folgenden Kapitel steht der Jetta dem Golf in nicht viel nach. Auch hier
zeigt sich das Fahrwerk von seiner ausgewogenen Seite, bietet einen sehr guten
Fahrkomfort. Die Federung bügelt fast jede Unebenheit sauber weg, nur ganz
grobe Schlaglöcher werden etwas trocken nach innen weitergegeben.
Ansonsten steckt das Fahrwerk
auch Kopfsteinpflaster gut und vor allem leise weg. Gleichzeitig geht der Jetta
aber auch super selbst um engste Kehren, quietscht dabei zwar deutlich mit den
Reifen, bleibt aber stets sehr gutmütig, untersteuert nur leicht. Das
serienmäßige ESP greift spät und nur dezent ein, lässt dem
Fahrer viel Fahrspaß, kann allerdings dadurch auch nicht verhindern, dass
der Jetta bei schnell wechselnden Richtungen zunehmend übersteuert. Spaß
hat man dank der guten Traktion auch beim Beschleunigen aus dem Stand heraus.
Der Geradeauslauf ist prima und
selbst bei schnelleren Autobahnetappen bleiben Wind- und Abrollgeräusche
gut erträglich, der Motorsound ist meist dezent kernig und nicht
aufdringlich. Exakt und straff arbeitet die Lenkung, und mit wenig Seitenneigung
folgt der Jetta willig jeder kleinen Lenkbewegung wie auf Schienen. Die Rückmeldungen
von der Straße geben dem Fahrer stets ein gutes Gefühl.
Und das geht auch beim Bremsen
nicht verloren. Die ABS-Bremsanlage mit elektronischem Bremskraftverstärker
und Notbremsassistent wirkt auf Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet,
und bringt den Jetta auch auf wechselndem Untergrund schnell, sicher und
spurtreu zum Stehen. Ein Nachlassen der Bremswirkung konnten wir auch nach dem
10. Versuch aus Tempo 100 zum Stillstand, wofür unser Testwagen im Schnitt
37 Meter benötigte, nicht feststellen. Auch die Dosierbarkeit und das
Ansprechverhalten sind bestens.
Komfortabel zeigt sich unser
Testwagen auch mit dem schlüssellosen Schließ- und Startsystem "Keyless
Access", bei dem der "Schlüssel" als Sender dient und
lediglich mitgeführt werden muss. Wozu dann unser Schlüssel noch einen
konventionellen "Bart" hatte? Und vor allem, wo sollte man den noch
reinstecken? |
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Motor/Getriebe Bevor
wir uns den Motor unter der schicken Haube mal näher ansehen, kommt dann
doch schon wieder etwas Ärger, oder sagen wir mal lieber, Verwunderung auf,
denn dass man die schwere Motorhaube ohne Unterstützung durch Dämpfer
hochstemmen und dann mit einem Stab arretieren muss, hatten wir eigentlich nicht
erwartet, nachdem sich doch der Jetta sonst eigentlich eher auf höherem
Niveau bewegt.
Schauen wir uns also den Motor
mal genauer an, oder sollte man sagen Motörchen? Immerhin ist der
Vierzylinder Ottomotor nur 1,2 Liter klein und leistet auch nur 77 kW/105 PS.
Das maximale Drehmoment von 175 Nm liegt zwischen 1.500 und 4.000 U/min an. Aber
schauen bringt ohnehin nicht viel, es ist ein einfaches Arbeitsgerät, bei
dem VW sowohl auf nennenswerte Gestaltung als auch auf optische Verkleidungen
verzichtet hat.
Also schauen wir doch lieber
mal auf die Fahrleistungen. 190 km/h Spitze lesen sich ebenso gut wie der Sprint
von Null auf Hundert in 10,9 Sekunden. Doch wozu überhaupt schauen, wichtig
ist doch der Fahreindruck. Also schnell den Startknopf gedrückt - der liegt
ungewöhnlicherweise links neben dem Lenkrad - und schon erwacht der kleine
Benzin-Direkteinspritzer mit Turbocharger zum Leben - und läuft schon im
Stand leise und kultiviert.
Gibt man Gas, wird zumindest
innen der Sound schön kernig, außen hört sich der Motor nicht
immer besonders gelungen an. Und los geht's, der 77 kW Jetta zieht gut los und
auch gut durch, drückt bis Tempo 140 sehr gut vorwärts, erst dann lässt
er ein wenig nach, das ist aber voll okay. Und für die 77 kW geht er
richtig gut ab. Downsizing nennen die Fachleute die "Verkleinerung"
der Motoren bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Voll gefordert wird der
Motor kernig laut, stört dabei aber nicht.
Eine ganz feine Sache ist dann
auch die Kombination mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe.
Der Schalthebel flutscht nur so auf kurzen Wegen super geführt durch die
Kulisse, die Abstufung harmoniert zudem gut mit dem Motor und unterstützt
das flotte Vorwärtskommen ebenso wie schaltfaules Dahingleiten.
Und wie sieht es mit dem
Verbrauch aus. Es gibt das 1,2 Liter 77 kW-Aggregat auch als BlueMotion, dann
schafft er es auf 5,3 Liter im Mix, der "normale" 1.2 TSI will in der
Stadt mit 7,1 Litern, außerorts mit 4,9 und somit im Mix mit 5,7 Litern
Super Bleifrei auf 100 km gefüttert werden. Wir haben in der Regel 6,6 im
Mix und bei bewusst zurückhaltender Fahrt 6,2 Liter verbraucht. Im flotten
Galopp über unsere Berg- und Tal-Strecken im Thüringer Schiefergebirge
waren es dann aber locker 8,5 Liter, bei jeder Menge Fahrspaß. Der
CO2-Ausstoß verdirbt die gute Lauen mit 134 g/km auch nicht. |
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Sicherheit Mit
seinen sechs Airbags (Frontairbags und Kopfairbagsystem vorne und hinten inkl.
Seitenairbags vorne) ist er serienmäßig so ausgestattet, wie man es
von einem modernen Fahrzeug unbedingt erwartet. Wer will, kann gegen Aufpreis
(345,- Euro) auch hinten Seitenairbags und Gurtstraffer ordern.
Diese Gurtstraffer sind auch an
den höhenverstellbaren vorderen Sitzgurten montiert, auf allen Plätzen
gibt es höhenverstellbare Kopfstützen, vorne sicherheitsoptimiert,
dazu ISOFIX, Rückstrahler in den Türen, Warnblinkautomatik bei
Vollbremsung und Beifahrerairbag-Deaktivierung. |
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Ausstattung/Kosten Unseren
VW Jetta mit dem 1.2 TSI 77 kW Motor gibt es als Trendline für 20.900,-
Euro und als Comfortline für 22.600,- Euro. Dabei ist beim Trendline die Rücksitzbank
ungeteilt und nur die Lehne geteilt umklappbar. Auf 16 Zoll Stahlfelgen sind
205er Breitreifen montiert, Außenspiegel und Türgriffe sind in
Wagenfarbe lackiert, eine grüne Wärmeschutzverglasung ist ebenso
verbaut wie elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, eine Außentemperaturanzeige,
ein Berganfahrassistent, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Klimaanlage,
Make-up-Spiegel in den Sonnenblenden, Servolenkung, Tagfahrlicht und eine
Zentralverriegelung.
Bei der Comfortline sind dann
bereits Alufelgen montiert, kann auch der Beifahrersitz höhenverstellt
werden, sind Lenkrad und Handbremshebel mit Leder bezogen, haben die
Komfortsitze vorne eine Lendenwirbelstütze, gibt es eine Mittelarmlehne mit
Ablagebox, den Park-Pilot sowie das Radiosystem mit vier Lautsprechern und MP3.
Alles Weitere finden Sie dann
in der umfangreichen Aufpreisliste, wie z.B. den Licht- und Regensensor für
175,- Euro, das elektrische Glasschiebedach für 890,- Euro, die Climatronic
für 335,- Euro, den Metallic-Lack für 500,- Euro oder auch
Navigationssysteme und Sportpakete.
| (Stand: Oktober
2011) |
LL |
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Technische Daten
| Hubraum |
1.197 cm³ |
| Zylinderzahl |
4 |
| Ventile |
8 |
| kW/PS - U/min |
77/105/5.000 |
| Nm bei U/min |
175/1.500 - 4.000 |
| Abgasnorm |
Euro 5 |
| CO2-Ausstoß |
134 g/km |
| Kraftstoffart |
Super |
| Tankvolumen |
55 Liter |
| Verbrauch innerorts |
7,1 Liter |
| Verbrauch außerorts |
4,9 Liter |
| Verbrauch Mix |
5,7 Liter |
| Reichweite |
960 km |
| Höchstgeschwindigkeit |
190 km/h |
| Sprint 0 - 100 km/h |
10,9 Sekunden |
| Länge |
4.644 mm |
| Breite |
1.778 mm |
| Höhe |
1.482 mm |
| Radstand |
2.651 mm |
| Wendekreis |
11,10 m |
| Kofferraumvolumen |
510 Liter |
| Leergewicht inkl. 75 kg Fahrer |
1.302 kg |
| Zul. Gesamt-Gewicht |
1.800 kg |
| Zuladung |
573 kg |
| Dachlast |
75 kg |
| Anhänger ungebremst |
650 kg |
| Anhänger gebremst |
1.200 kg | |
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