Karosserie Mit
510 Pferdestärken bestückt, spielt der Jaguar XFR ganz klar in der
Liga der Super-Sportlimousinen, unterbietet seine stärksten Mitbewerber
jedoch erheblich im Preis. Wenn es sich bei 89.900,- Euro auch nicht um einen
Sparpreis handelt, so macht er gerade auf die deutschen Mitbewerber Mercedes und
BMW bei gleicher Ausstattung gerne 10.000 bis 30.000,- Euro gut.

Dezente Änderungen gegenüber
dem zivilen XF lassen den XFR kraftvoll und überwältigend aussehen,
ohne aber den Eindruck entstehen zu lassen, er sei protzig oder prollig. Auch
wenn sich beim XF noch die Betrachter darüber streiten, ob das nun ein
Jaguar ist oder nicht, mit dem XFR sind die Briten im Hier und Heute angekommen.
Die schicken "Supercharged"-Lüftungsschlitze
auf der Motorhaube, der vergrößerte untere Lufteinlass mit schwarzem
Gitter und vor allem die chromumrandeten Lufteinlässe links und rechts
unter den Scheinwerfern, dazu markantere und größere Seitenschweller,
eine auf dem Kofferraumdeckel platzierte dezente Spoilerlippe, vier glänzende
Auspuff-Endrohre, exklusive 20 Zoll-Räder inklusive "Jaguar
Supercharged"-Schriftzug sowie das "R"-Emblem lassen bereits im
Stand erahnen, was sich unter diesem heißen Blech verbirgt.
Innenraum/Kofferraum Ebenso
behutsam wurde auch im Interieur Hand angelegt. Hauptunterschiede finden wir im
Gestühl, den Dekors und beim Lenkrad.
Die Ledersitze sind schön
knapp geschnitten, bestens ausgeformt und angenehm straff gepolstert, zahlreiche
Justierungsmöglichkeiten wie z.B. Seitenwangenverstellung vermitteln das
Gefühl herrlich eingepackt zu sein, diesen Eindruck untermalt der hoch
angesetzte Mittelkonsolen-Tunnel.
Das geänderte Lederlenkrad
inkl. Multifunktionstasten, Alu-Pedale und geriffeltes dunkles Alu-Dekor
kombiniert mit dunklen Holzeinlagen, ein in Alcantara gehüllter Dachhimmel
und rote Zeiger inkl. "Supercharged" Schriftzug in der
Instrumentierung lassen den Innenraum gediegen sportlich wirken.

Wie bereits von der
XF-Limousine bekannt, ist das Design sehr modern gehalten, wirkt aber wegen der
phosphorblauen Innenraumbeleuchtung teils etwas unterkühlt. Das auch im XFR
ein Herz schlägt und Leben herrscht, beweist bereits der Power-Start-Knopf,
der vor dem Start wie ein pulsierendes Herz aufleuchtet.
Hier lässt man sich
wirklich nicht lange bitten ... und wird der Schalter gedrückt, fährt
der DriveSelector aus der Versenkung, dieser Drehregler löst die
altbekannte Automatik-Schaltkulisse ab. Auf die zu- bzw. aufschwenkenden Lüftungsdüsen
wurde beim "R" verzichtet, schade eigentlich, aber wohl aus Gewichtsgründen
einfach notwendig.
JaguarSense ist natürlich
auch wieder an Bord und wie schon bei den Basis-Modellen reagieren die Sensoröffner
am Handschuhfach oft nur wenn sie wollen, das ebenfalls über Softtouch
bedienbare Innenlicht funktioniert dagegen sehr gut.
Ebenso die simple Steuerung über
den Touchscreen-Monitor, wodurch zahlreiche unnötige Schalter entfallen.
Die wenigen, die noch im Innenraum zu finden sind, sind dafür gut
erreichbar platziert und angenehm groß ausgeführt.
Bei den Platzverhältnissen
musste die "Sportvariante" (fast) keine Einbußen hinnehmen, die
Raumverhältnisse sind gut, nur hinten fällt die Kopffreiheit der
schicken Coupésilhouette zum Opfer. Nicht anders ergeht es dem XF, der
mit 540 Liter nur 40 Liter mehr Stauvolumen bietet, als der XFR. Durch Umlegen
der Rücksitze lässt sich bei beiden Modellen der Stauraum erheblich
erweitern.
Komfort/Fahrwerk/Bremsen So
viel Kraft möchte natürlich auch im Zaum gehalten werden. Das es dem
Hecktriebler bei Nässe damit schwer fällt, ist nur verständlich.
Dennoch verbessert die serienmäßig verbaute Differenzialsteuerung ADC
an der Hinterachse die Traktion erheblich.
Außerdem wurden im XFR
adaptive Dämpfer (Adaptive Dynamics) verbaut, die sich automatisch und
stufenlos der jeweiligen Fahrsituation anpassen oder dem Fahrer wenn gewünscht
betonten Komfort oder Sportlichkeit bieten.
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Für unseren Geschmack war
das Fahrzeug für diese PS-Klasse insgesamt zu komfortbetont. Gerade bei
richtig schnellen Kurven oder auch bei Kurvenfolgen bei hohem Autobahntempo wird
das Fahrzeug etwas zu weich und schaukelt sich ggf. auch auf. Bei Aktivierung
des Dynamik-Modus durch Drücken der Zielflaggen-Taste wird das Fahrzeug
zwar spürbar straffer und damit besser und sicherer zu handeln, dennoch
liegt der Fokus auf Komfort.
Im sportlichen Modus wird auch
das ansonsten stark eingreifende DSC - man wird regelrecht brachial eingebremst
- spürbar gezähmt und dem geübten Fahrer steht es auch frei, die
zweistufige dynamische Stabilitätskontrolle vollständig zu
deaktivieren. Die so genannte "Understeer Control Logic" erhöht
bei einsetzendem Untersteuern mittels gezielter Eingriffe ins Motormanagement
und Bremssystem wieder die Haftung der Vorderräder.
Zu den aktiven
Fahrassistenzsystemen zählen des weiteren ein Notfall-Bremsassistent (EBA),
die elektronische Bremskraftverteilung (EBD), das Antiblockiersystem (ABS), eine
elektronische Traktionskontrolle, eine Kurven-Bremssteuerung (CBC) und eine
Motordrehmomentregelung (EDR).
Gegenüber der Basis
erhielt der XFR eine noch direktere geschwindigkeitsabhängige Servolenkung
und eine größer dimensionierte Bremsanlage mit innenbelüfteten
Bremsscheiben rundum. Durch silbergrau lackierte Sättel und dem "R"
Emblem unterscheiden sich die Varianten auch optisch.
In unserer Testphase hinterließen
die Bremsen einen zuverlässigen Eindruck und brachten das Fahrzeug auch aus
hohem Tempo heraus sicher zum Stehen, sie sind angenehm zu dosieren und packen
bei Bedarf bissig zu, aus Tempo 100 braucht der Jaguar XFR rund 35 Meter bis zum
Stillstand, Fading ist ein Fremdwort für die Bremsanlage.
Motor/Getriebe Die
Krönung befindet sich wahrlich unter der Motorhaube. Mit 375 kW / 510 PS
und einem gigantischen Drehmoment von 625 Nm geht der neue Supercharged "R"
gegenüber seinem Vorgänger spürbar gestärkt ans Werk, mehr
Leistung bei weniger Verbrauch, eine Devise der mittlerweile alle Hersteller
folgen.
So erreicht der neu entwickelte
5,0-Liter-V8 Kompressor aus dem Stand in 4,9 Sekunden, die 100 km/h-Hürde.
Spielerisch lässt er auch Tempo 200 hinter sich, leider ist das Aggregat
jedoch bei 250 km/h elektronisch abgeregelt.
Was einem immer und immer
wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert ist der vehemente und gewaltige
Durchzug, nur ein kleiner Tritt auf´s Gaspedal reicht aus und die Limousine
prescht gewaltig nach vorne ohne aber aufdringlich zu wirken. Understatement ist
eben alles! Leider war Jaguar auch beim Motorensound etwas zurückhaltend,
das im Kern sonore Schnurren ist zwar schön, dennoch vermissen wir ein
regelrechtes aufbrüllen des Motors, er läuft stets leise und
kultiviert.. nur unter Volllast lässt der bärenstarke V8 ein wenig Gänsehaut-Feeling
entstehen.
Die gestiegene Leistung zieht
erfreulicherweise keinen erhöhten Verbrauch sowie gestiegene CO2-Emissionen
nach sich, außerdem erfüllt der Motor die Euro 5 Norm. Jaguar selbst
gibt den möglichen Mixverbrauch mit 12,5 Litern auf 100 Kilometer an. Was
haben wir so für Sie erfahren? Auf der Normstrecke kam der XFR auf 12,1
Liter im Mix, nach einigen Hundert Kilometern "normaler" Fahrt, also
so wie man den Sportler am liebsten her nimmt, flossen 14 Liter aus dem Tank,
bei zurückhaltender Landstraßenfahrt im Schnitt 8,7 Liter, bei 200
km/h als Autobahnschnitt waren es locker 20 Liter Super bleifrei. Wie gering der
Verbrauch auch für einen "R" sein mag, so ist der 69,5 Liter Tank
auch bei gemäßigtem Gasfuß einfach zu klein.
Ebenfalls überarbeitet
geht das Getriebe ans Werk. Die Sechsstufenautomatik schaltet sanft und schnell,
im manuellen Modus gönnt sie sich gelegentlich eine kleine Gedenksekunde.
Mittels Paddels am Lenkrad wird der sportliche Touch schon mal ordentlich
hervorgehoben, und legen wir nun noch den "S"-Gang ein, werden die
Schaltbefehle noch einen Tick schneller umgesetzt, allerdings greift
schlussendlich die Automatik doch wieder ein.
Und auch so waren wir
eigentlich nur ganz selten mal bemüht, selbst schalten zu wollen. Mit dem
gewaltigen Drehmoment von 625 Nm hat der V8 Kompressor stets so viel Bums, dass
man gar nicht schalten muss.
Sicherheit Übernommen
von der Basis ist auch die Sportlimousine mit zweistufig auslösenden
Frontairbags, Seiten- und Kopfairbags, aktiven Kopfstützen,
Dreipunkt-Automatikgurten mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern, einer beim
Crash sich anhebenden Motorhaube sowie den zahlreich - bereits erwähnten -
aktiven Fahrhilfen sowie einem Radarsystem zur Überwachung des "Toten
Winkel" bestückt.

Ausstattung/Kosten Das
der XFR in punkto Preis-/Leistungsverhältnis in seinem Segment unschlagbar
ist, haben wir bereits Eingangs erwähnt. Für 89.900,- Euro erhalten
Sie eine 510-PS-Nobelkarosse die mit zahlreichen serienmäßigen
Features verwöhnt.
Hier wären in jedem Fall
erwähnenswert: die 18-fach elektrisch verstell-, beheiz- und kühlbaren
Sportsitze in Softgrain-Volllederausstattung, die axial und vertikal
einstellbare Lenksäule, eine elektronische Einparkhilfe hinten,
Geschwindigkeitsregelung mit -begrenzer, die Klimaautomatik mit
Zweizonen-Regelung, eine Bluetooth-Schnittstelle, der 7
Zoll-Touchscreen-Monitor, JaguarSense ... Ja, sogar die Metallic-Lackierung ist
im Preis inbegriffen.
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